Visual Voltage Amplified - Berlin from jens isensee on Vimeo.
Kuratorin Susanne Jaschko zur Entstehung der Ausstellung Visual Voltage Amplified :
Als das Schwedische Institut im Oktober letzten Jahres mit dem Wunsch auf mich zukam, ihre Wanderausstellung Visual Voltage um ein lokales oder deutsches Programm zu erweitern, war schnell die Idee zu der begleitenden Ausstellung Visual Voltage Amplified geboren.
Es schien wahrscheinlich, dass an deutschen Hochschulen, in deutschen Designbüros und in Künstlerköpfen über das Thema Energie kreativ nachgedacht wird. Denn in Deutschland ist man ja bekannter Maßen durchaus energiebewusst: Wenn es um den eigenen Haushalt geht, liegen wir beim Energieverbrauch im europäischen Vergleich im unteren Drittel. Nachhaltigkeit und erneuerbare Energien sind für uns ebenfalls keine Fremdworte mehr. Allerdings fahren unsere Politiker energiepolitisch einen heftigen Schlingerkurs, von dem keiner so richtig weiß, wohin er eigentlich führen soll.
Das Thema Energie ist also in unseren Köpfen, in der Presse, einfach überall in diesem Land, und provoziert angesichts dessen durchaus das ein oder andere Gähnen. Zu PC, political correct, könnte man meinen, zu „abgenudelt“ und „durchgenommen“. Unsere Hoffnung war, dass die Rettung vor Langeweile und Politikfrust möglicherweise im Detail liegt, in der Kunst und im Design, also in den Visionen, abwegigen Ideen und Utopien, die der Einzelne entwirft.
Es hieß nun, diese Ideen zu recherchieren, sie ausfindig zu machen, sie aus den Schubladen und von den Festplatten zu ziehen. So haben wir uns durchgefragt, Lehrende, Studierende, Künstler und Designer kontaktiert, um am Ende und in der Kürze der Zeit 25 Projekte zusammenzutragen, die aus einem konsequenten Um-die-Ecke-Denken resultieren, die Energieverbrauch auf ungewöhnliche Weise visualisieren und überraschende Vorschläge zur Energiegewinnung oder -nutzung machen.
Bewusst haben wir uns in zwei kreativen Bereichen umgeschaut, die eng mit einander verwandt sind, manchmal kaum zu trennen sind, oft aber nicht miteinander ausgestellt werden: Dem Bereich der Gestaltung, des Designs – der in der Ausstellung vor allem durch Gamedesign, Produktdesign und experimentelles, kritisches Design vertreten ist – und dem Bereich der Kunst.
Dadurch ist in der Ausstellung ein Spannungsfeld entstanden, das von Utopie bis zu Machbarem und sogar Vermarktbarem reicht. Wichtig bei der Auswahl war, dass alle Projekte Alternativen zum rein Funktionalen ausloten – und so wechseln sich Praktisches und Schönes mit Absurdem oder Ironischem ab.
Die Bandbreite ist nicht nur inhaltlich groß, sondern auch was die Komplexität der Konzepte und Projekte angeht. Bewusst stehen Studentenarbeiten neben Projekten von Künstlern wie HeHe oder Michel de Broin, die international mit ihrer Arbeit bekannt sind. Statt enge Selektionskriterien anzuwenden, wurde Vielfalt und Abwechslung inszeniert, was auch den temporären und leichten Charakter der Ausstellung unterstreicht.
Denn es sollte keine massive Ausstellung von Objekten und Installationen entstehen, die mit Visual Voltage konkurriert, sondern eine lockere und aktuelle Projektsammlung, die Ideen vorstellt. Entsprechend ist jedes Projekt mit bis zu drei Postern oder/und einem Video in der Ausstellung präsent.
Die installierte Ausstellung fügt sich tatsächlich harmonisch in das Gesamtbild und bildet eine Einheit mit den schwedischen Projekten. Die Poster und Videos bieten sich dem Publikum als zweite Ebene an, die zur Erkundung und zum Nachdenken animiert.
Da Visual Voltage Amplified bis auf wenige Ausnahmen, wie den kleinen Neighbourhood Satellites Energy Harvesters keine Objekte präsentiert, müssen die Konzepte im Kopf der Besucher „nachgedacht“ und verstanden werden.
Auf diese Art können sich Besucher noch bis zum 24. Januar „amplifien“.
